Die Schönheit der Natur - Kosmische Erziehung nach Montessori

- der Beitrag enthält Werbung für ein Buch- 

Maria Montessori ging davon aus, dass alle Lebewesen auf der Erde miteinander verbunden sind. Sie wirken gemeinsam vereint und bilden somit einen Kosmos, indem der Mensch eine Sonderstellung einnimmt, da er selbst in die Schöpfung eingreifen kann. Hierbei soll sein Handeln jedoch von Gewissenhaftigkeit geleitet sein. Er soll positiv auf Gottes Schöpfungswerk einwirken. Daher ist es umso wichtiger, dass auch schon Kindern begreifbar wird, dass sie Teil eines solchen Kosmos sind als auch durch ihr Handeln Einfluss auf diesen haben und damit Verantwortung tragen. Egal ob in der Natur oder in zwischenmenschlichen Beziehungen, der Mensch wirkt durch sein Tun auf den Kosmos ein.  


Wie kann sich der Mensch dieser Verantwortung bewusst werden? Maria Montessori entwickelte hierfür das Konzept der kosmischen Erziehung. Diese soll schon dem Kind die Möglichkeit geben, 

  • die Welt zu entdecken, 
  • seine Wissbegier zu stillen,
  • die Welt und alles was sie umfasst -Menschen, Pflanzen, Tiere und deren Zusammenwirken- als Wunderwerk der Schöpfung zu begreifen und 
  • sich selbst als Teil dieser Schöpfung wahrzunehmen, welches in Beziehung mit allem anderen Bestandteilen der Schöpfung steht. 


Dabei umfasst die kosmische Erziehung die Biologie, Geographie, Geologie, Astronomie, Physik, Chemie und Kultur. Insbesondere das ältere Herbstkind zeigt Interessen im Bereich Kontinente und die Verschiedenartigkeit von Menschen und deren Kultur. (Dazu habe ich schon einige Anmerkungen im Artikel  Die Welt ist bunt gemacht.) Auch die Botanik und Zoologie hat sein Interesse geweckt. Auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten werden immer wieder Pflanzen und Insekten begutachtet. Da ich selbst mit meinem spärlichen botanischen und zoologischen Wissen an meine Grenzen stieß, musste ein geeignetes Buch her um seinen Wissensdurst zu löschen. Neben den wunderbaren Naturentdecker-Büchern der Reihe "Wieso? Weshalb? Warum?" von Ravensburger, habe ich einen wirklich umfassenden Naturführer mit zahlreichen wunderschönen Zeichnungen von Tieren, Pilzen, Gesteinen und Pflanzen gefunden.


Kosmische Erziehung Montessori
Das Bild zeigt das Buch "Handbuch der Natur. Tiere und Pflanzen unserer Heimat"
von Marcus Würmli, Pawlak, 1992


Das Buch ist ein wirklicher Glücksgriff gewesen. Mit dem Buch gewappnet können wir auf unseren Wegen die vielen schönen Tiere und Pflanzen begutachten und bestimmen. Und so hat sich auch mein eigener Blick verändert. Früher bin ich unsere alltäglichen Wege einfach nur gegangen, allein mit dem Ziel vor Augen anzukommen. Nun bin ich viel aufmerksamer und sehe so viele schöne Pflanzen und Tiere und entwickelte dadurch eine Leidenschaft für die Makrofotografie insbesondere mit Pflanzen als Motiv. Es ist beglückend, dass Kinder uns eine Welt zeigen, die wir Erwachsene schon längst nicht mehr wahrnehmen. Im Stress unseres Alltags bringen sie uns dazu, zu entschleunigen und dabei den Blick für die Schönheit des Lebens und die Wunder der Natur zu schärfen.  

Wir haben nun auch einige Pflanzen gesammelt und zu Haus in einem dicken Buch gepresst um daraus schließlich ein Herbarium zu gestalten. Das älteste Herbstkind klebte die Pflanzen mit Klebestreifen auf schwarzem Papier. Danach suchte es im besagten Buch nach den Pflanzen um diese zu bestimmen. Es war so schön mit anzusehen mit welchem Eifer es dieser Tätigkeit nachging. Nachdem es die Pflanze im Buch gefunden und die Abbildungen mit den gepressten Pflanzen verglichen hatte, schrieb es deren Namen auf das Papier hinzu. Ich bin immer noch beeindruckt mit welcher Leidenschaft und Ausdauer es mit gerade mal vier Jahren dieser Aufgabe nachging. Das Herbstkind tat dies auch nahezu selbständig. Es war so toll ihn dabei zu beobachten.


Kosmische Erziehung Montessori

Kosmische Erziehung Montessori


Ich weiß auch noch, dass dies einer der wenigen Dinge in meinem Biologieunterricht war, welches mir viel Freude bereitet hatte, denn es ging hier nicht um stupides Auswendiglernen. Bei der Gestaltung eines Herbariums erlangt man Wissen durch selbständige Tätigkeit. Das Sammeln und Bestimmen der Pflanzen mit meiner Oma, bescherte uns gemeinsame Zeit in wunderschöner Natur. Und die Namen der gesammelten Pflanzen sind mir durch diese Art der Wissensaneignung noch in bleibender Erinnerung geblieben. 

Generell sammeln meine Kinder gern Blätter und die Früchte von Bäumen wie Kastanien und Eicheln aber auch die Zapfen von Nadelbäumen. Im Sommerurlaub an der Ostsee war es ihnen ein Vergnügen Muscheln, Seesterne und Häuser der Strandschnecken zu sammeln. Aber auch Vogelfedern werden immer eifrig aufgelesen. 
Kosmische Erziehung Montessori


Kosmische Erziehung Montessori


Alle Schätze aus der Natur finden im Kinderzimmer ihren Platz in Körben. Sie werden hin und wieder begutachtet, in Büchern nachgeschlagen und bestimmt, als auch mit der Waage gewogen. Die Herbstkinder besitzen eine Balkenwaage, die ich vor langer Zeit angeschafft habe um meinem ältesten Herbstkind Mengenverhältnisse näher zu bringen, da es sich damals intensiv mit Zahlen auseinander setzte. 
Diese Waage wird aber auch genutzt um die gesammelten Naturgegenstände näher zu untersuchen. 


Nicht nur das Aussehen ist hierbei interessant sondern auch wie sich die Gegenstände vom Gewicht her unterscheiden oder gleichen. Was ist schwerer, was ist leichter und was wiegt genauso viel? Anhand der Balkenwaage kann man die Gewichtsverhältnisse leicht ablesen. Was geschieht, wenn ich noch eine weitere Kastanie in die Schale lege? Sind Federn leichter als Eicheln? Welcher Zapfen ist schwerer? Durch das Experimentieren mit der Waage können sie gleiche und unterschiedliche Gegenstände im Bezug auf das Gewicht vergleichen. Des Weiteren können sie ihren Wortschatz erweitern, denn bei der Auswertung der Messergebnisse werden die Steigerungsformen von Adjektiven benötigt (schwer-schwerer-am schwersten oder leicht-leichter-am leichtesten). 
Kosmische Erziehung Montessori

Es ist schön mit anzusehen wie die Kinder Freude an der Natur haben. In den Herbstmonaten beschäftigen sie sich eifrig mit Kastanien. Auf dem Lieblingsspielplatz der Herbstkinder befindet sich ein Kastanienbaum, von dem die heruntergefallen Kastanien freudig aufgesammelt werden und für das Spiel auf dem Spielplatz vielfältig genutzt werden. Wir hatten auch einmal kein Sandkastenspielzeug dabei. Es war eine Freude zu sehen wie die Kinder sich die ganze Zeit über mit Naturmaterialien kreativ beschäftigten. 

Kosmische Erziehung Montessori

Wir haben auch einmal die bunten gefallenen Blätter im Herbst gesammelt, getrocknet und dann mit selbstgemachtem Klebstoff aus Mehl an einem hitzebeständigen Glas geklebt. Mit einer entzündeten Kerze ergab dies ein wunderschön leuchtendes Windlicht, welches wir der Oma zum Geburtstag schenkten. 

Wenn wir uns vom Lieblingsspielplatz auf dem Heimweg befinden, gibt es immer zwei Wege, die wir einschlagen können. Meine Kinder entscheiden sich meist für den Weg, der entlang  kleiner Vorgärten eines Plattenbaus führt. In diesen Vorgärten bewundern sie immer wieder die schönen Blumen, die dort blühen. Das Schöne ist, dass dort für jede Jahreszeit etwas gepflanzt wird und somit die Kinder das ganze Jahr über die schönen Pflanzen begutachten können.

Mit der Freude an der Natur wächst auch das Bewusstsein dafür, diese zu schützen. Meine Kinder sind öfters so umweltbewusst, dass sie sämtlichen Müll, der bedachtlos auf den Spielplätzen und Parks weggeworfen wurde, einsammeln und in die entsprechenden Mülleimer werfen. Ob das jetzt immer so hygienisch ist, sei dahingestellt. Ich finde es einfach nur wunderbar, dass sie einen gewissen Sinn für den Schutz der Umwelt, der Natur haben. Und das ist ja auch ein Teil dessen, worauf die kosmische Erziehung abzielt, dass wir uns als Teil des ganzen Kosmos begreifen und unserer verantwortungsvollen Rolle innerhalb des Kosmos bewusst werden. Denn unser Handeln wirkt sich auf die ganze Schöpfung aus und hinterlässt ihre Spuren.




LESETIPP: Eine weitere Anregung für Aktivitäten im Rahmen der kosmischen Erziehung findest du bei die kleine Botin.




Eure Sandra













        
                   


Kommentare

Beliebte Posts